Denken und Verstehen: das hat zu tun mit dem ganzen Menschen, mit Leib und Seele, mit Herz und Verstand. Denken und Verstehen: das hat zu tun mit analytischen Fähigkeiten und Phantasie, mit Einfühlungsvermögen und mit der Fähigkeit, sich neue Welten zu erschließen.

Denken und Verstehen: das bedeutet, Orientierung suchen, Orientierung haben und Orientierung geben zu können in einer Welt, die uns mit immer neuen und immer mehr Einfällen, Eindrücken und Einsichten überhäuft. Und: Zum Wissen und zum Können für morgen gehören auch die Inhalte jener (Schul)Fächer, die an den Rand zu geraten drohen, wenn wir nur noch nach Nützlichkeit und Verwertbarkeit gehen: Musik, Kunst und Sport ...

Die Begegnung mit den Künsten kann verhindern, dass aus Bildung ein trostloses Fitmachen für ... wird. Erst das, Wohlgefallen ohne alles Interesse, wie Kant es nennt, das jenseits von Funktionalität und Brauchbarkeit steht, macht den Menschen zum Menschen.
Aus der Rede des deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau auf dem ersten Kongress des Forums Bildung am 14. Juli 2000 in Berlin





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